Mittwoch, 16. Dezember 2015

In the Army Now: Die Raubkatze als Nutztier

Sie wirken unnahbar, weil sie so schnell wieder weg sind: Geparde beschleunigen von 0 auf fast 100 km/h in drei Sekunden. Wenn ihnen ebenes Savannen- oder Steppenland zur Verfügung steht, sind die gepunkteten Raubkatzen mit kleinem Kopf und langen Beinen effiziente Jäger. Dieses Geschick macht sich nun die südafrikanische Luftwaffe zu Nutze, wie The Atlantic berichtet: Auf der Militärbasis Makhado, nahe der Grenze zu Zimbabwe, sind seit Anfang Dezember zwei Geparde im Dienst. Sie erlegen Hasen und Warzenschweine, die die Rollbahn frequentieren und somit den Flugverkehr behindern.

Eine Bedienstete haben sie auf dem Gelände zwar schon leicht verletzt, aber immerhin: "Geparde attackieren üblicherweise keine Menschen, weil sie kleinere Beutetiere bevorzugen." Dieses Kriterium machte sie schon vor tausenden Jahren für den Menschen interessant. Nur Hunde haben eine längere gemeinsame Jagdgeschichte mit uns als Geparde. Der älteste archäologisch Nachweis ist ein sumerisches Siegel aus 3000 v. Chr., auf dem "ein angeleinter Gepard, möglicherweise mit einer Haube über dem Kopf, dargestellt ist" (vgl. Marker-Kraus 1997: 28).

Tatsächlich sind sie die Großkatzen, die am einfachsten zu zähmen sind – aber schwierig zu züchten: Vor 1956 war nur ein einziger Wurf in Gefangenschaft aus dem 15. Jahrhundert dokumentiert (ibid.); dann gelang die Nachzucht im Zoo von Philadelphia, die sensiblen Jungen konnten aber nicht aufgezogen werden. Von den Vierlingen der "europäischen Erstgeburt" 1960 im deutschen Zoo Krefeld wurden dann zwei "mit Hilfe einer Katzenamme großgezogen". Bis heute sind "Nachzuchten bei Geparden [...] immer noch eine große Ausnahme".

Jagdgehilfe oder exotisches Haustier

Zu Jagd- wie zu Repräsentationszwecken wurden die Tiere vom Mittelalter über die Renaissance bis in die Gegenwart von Herrschern gehalten (vgl. Marker-Kraus 1997: 28), im zwanzigsten Jahrhundert etwa von Äthiopiens Regenten Haile Selassie. Als exotische Haustiere werden sie auch heute vom afrikanischen Horn in die Golfstaaten geschmuggelt. Neben Trophäenjagden dezimiert dieser illegale Handel die ohnehin bereits kleinen Populationen weiter. Artenschutzprojekte wollen die Gefährdung der schnellsten Landsäugetiere wettmachen.

Geparde zu Hause zu halten finden aber viele reizvoll: Die Schoemans aus Südafrika etwa – das Paar arbeitet als Tiertrainer in einem Reservat – zieht zwei Junggeparde neben ihren Kindern groß (siehe Video aus 2013 unten). Die Tiere werden in den Alltag integriert und umgekehrt wird ihren artspezifischen Bedürfnissen nachgekommen. Allerdings: Wie man ein Beutetier mit einem gezielten Biss in den Nacken tötet, das kann der Mensch dem Gepard nicht zeigen. In freier Wildbahn bleiben die Jungtiere eineinhalb bis zwei Jahre nach der Geburt bei der Mutter, um deren Jagdtechnik zu erlernen. In Österreich ist die private Haltung von Geparden laut §9 der Zweiten Tierhaltungsverordnung verboten.


Wim und Tobie, die beiden Geparde, die derzeit noch ihren Dienst bei der Air Force Südafrika versehen, sind nebenbei Protagonisten eines Artenschutzprogrammes: Nach zwei Jahren auf der Militärbasis kommen die Raubkatzen zurück ins Hoedspruit Endangered Species Centre, das mit diesem Projekt auch beweisen will, dass in Gefangenschaft aufgezogene Geparde fähig sind, nach erneuter Auswilderung für sich selbst zu sorgen.

Literatur
Marker-Kraus, L. (1997): "History of the Cheetah Acinonyx jubatus in zoos 1829-1994". In: International Zoo Yearbook 35: 27-43.

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