Dienstag, 27. August 2013

Während wir schliefen: #Morales #Snowden #VIE

Kann die Twitter-Berichterstattung über den Morales-Zwischenstopp in Wien als Metapher für die gegenwärtige Journalismusdebatte herangezogen werden?
Mittwochfrüh und das Ö1-Morgenjournal verpasst. Erst ein Blick in die Twitter-Timeline (und der kollegiale Hinweis darauf) bringt mich auf den Stand der Dinge bezüglich Evo Morales, Edward Snowden und den Flughafen Wien – in erster Linie dank der Tweets von Tanja Malle @scharlatanja und Olivera Stajic @OliveraStajic.

Und schon taucht die Frage auf: Ist diese „reine“ Übertragung von Information („federal president of austria fischer is at #vie“ oder „crew is sleeping“) schon Journalismus?

Ja. Weil: Journalismus ist ein relationaler Begriff. Hier wie auch bei Fußball-Ergebnissen geht es um die brandaktuelle Übertragung von Informationen – wenngleich sie möglicherweise für die Mehrheit der (österreichischen) Bevölkerung irrelevant sind. Es gilt die Definition des US-Journalismusprofessors Jeff Jarvis: „Journalism helps communities organize their knowledge so they can better organize themselves.“

Heute haben Malle, Stajic und andere, die vor Ort waren, dies gemacht, und zwar für eine community, ein "Publikum" oder eine Zielgruppe in Jarvis‘ Sinn: für all diejenigen, die zwecks Contentproduktion in einem Medienunternehmen beschäftigt sind, oder anderswie Interessierte. Darunter auch der britische Guardian, der sich für seinen Live-Ticker auch auf Tweets der beiden Österreicherinnen verließ.

Natürlich mag es für die Verifizierung der entsandten Twitter-Meldungen dort einfacher gewesen sein, dass Malle eine ORF-Mitarbeiterin, Stajic eine leitende Redakteurin des Standard ist. Wie soll denn ein Guardian-Redakteur in London beurteilen, ob die Stimmen aus Wien glaubwürdig und authentisch sind? Er muss sich wohl auf zeitungseigene Kontakte verlassen; dass die beiden Journalistinnen in ihrem Twitter-Kurzprofil seriöse österreichische Medien als Arbeitgeber erwähnen, hilft bestimmt. Doch reicht es nicht mehr lange aus.

Es gilt, was Malle sagt: „Journalismus braucht mehr teamwork.“

Dieser Blogpost wurde ursprünglich am 3. Juli 2013 auf mhw.at veröffentlicht.

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